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102. Aachener Hospizgespräch

Im Westend-Pavillon des Altenheims St. Elisabeth hat das 102. Hospizgespräch der Servicestelle Hospiz für die Städteregion Aachen stattgefunden, an dem sich rund 120 interessierte Zuhörer beteiligt haben. Das Thema der Veranstaltung, zu der zahlreiche Experten aus Praxis und Politik eingeladen waren, lautete „Kooperationen im Rahmen palliativer und hospizlicher Versorgung“.

Wie wichtig eine gute Vernetzung bei der palliativen und hospizlichen Versorgung ist, stellte Peter Rode, Einrichtungsleiter des Altenheims St. Elisabeth dar. In einer Gesellschaft, in der die Menschen immer älter werden und häufiger am Lebensende an schweren Krankheiten leiden, ist sie eine Grundvoraussetzung, um diese Menschen umfassend palliativ zu versorgen. Allerdings, betonte Peter Rode, reiche es nicht aus, eine solche Versorgung seitens der Politik nur zu propagieren oder zu fordern, sie müsse auch mit entsprechenden Mitteln finanziert werden.

Dass die Vernetzung in Aachen zwischen Hospizdiensten, Alteneinrichtungen, Ärzten, Apotheken und anderen Akteuren bereits recht gut aufgestellt ist, ließ sich aus dem Vortrag Peter Rodes, aber auch der Experten Annette Busch,Leiterin des Ambulanten Hospizdienstes der Aachener Caritasdienste Aachen Stadt, und Dr. Johannes Wüller von Home Care Aachen erkennen. Dennoch, das wurde aus dem Vortrag des Hauptredners, Professor Dr. Hugo Mennemann von der Fachhochschule Münster, deutlich, eine funktionierende Kooperation muss bewusst gelernt und eingeübt werden, damit letztlich der Patient bestmöglich versorgt ist. Wie so eine Kooperation aufgebaut und gelebt wird und welche Fehler man vermeiden sollte, wurde in dem eingängigen Vortrag thematisiert.

Im Anschluss an die Vorträge schloss sich noch eine lebhafte Podiums-Diskussion an, die von Veronika Schönhofer-Nellessen von der Servicestelle Hospiz für die Städteregion Aachen moderiert wurde. Die Geschäftsführerin des Vereins Palliatives Netzwerk für die Region Aachen begrüßte auf dem Podium neben Professor Mennemann außerdem Jürgen Schiffer vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW, Ralf Kaup, Geschäftsführer der Aachener Caritasdienste gGmbH, Manfred Vieweg, Geschäftsführer von Haus Hörn gGmbH, sowie den stellvertretenden Regionaldirektor der AOK Rheinland/Hamburg Bernd Claßen.

Dabei standen besonders die Politik und die Finanzierung im Mittelpunkt. Während Jürgen Schiffer die Meinung vertrat, die Politik habe klare gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen, betonten insbesondere die beiden Trägervertreter, dass die Gesetzgeber auf Bundes- und Landesebene zwar ständig neue Anforderungen an stationäre Pflege stellen würden, ohne diese aber in ausreichender Weise refinanzierungsfähig zu machen. Die Belastung und Arbeitsverdichtung – insbesondere bei den Pflegekräften – wachse stetig an, zusätzliches Geld für mehr Personal gäbe es allerdings nicht.

Die ACD beim Aachener Firmenlauf

Zum ersten Mal hat sich die ACD beim Aachener Firmenlauf rund um den Hangeweiher beteiligt. Zwei Teams gingen für die ACD an den Start. Die meisten Kollegen bevorzugten die 4,63 Kilometer-Strecke, ein paar trauten sich aber auch auf die lange 9,26 Kilometer-Strecke.

Die große Veranstaltung, bei der insgesamt 7000 Läufer am Start waren und rund 4000 Zuschauer am Straßenrand jubelten, kam bei allen Beteiligten sehr gut an. Bestzeiten standen dabei für die wenigsten Läufer im Mittelpunkt, die meisten freuten sich, dabei zu sein und gemeinsam die Herausforderung zu bewältigen.

Bei großartigem Wetter und reichlich Verpflegung haben die Läufer aber einen tollen Eindruck hinterlassen und die ACD sehr dynamisch und eindrucksvoll repräsentiert.

Papst-Jphannes-Stift feiert Einweihung nach Umbau

Gut vier Jahre haben die Umbaumaßnahmen im Papst-Johannes-Stift gedauert, nun feierte das Altenzentrum an der Trautnerstraße Einweihung mit einem Gottesdienst mit Weihbischof Dr. Johannes Bündgens und einem Empfang, an dem auch Bürgermeisterin Dr. Margrethe Schmeer sowie die Geschäftsführer der Aachener Caritasdienste, Ralf Kaup und Bernhard Verholen, teilgenommen haben.

Der Umbau, den Dipl.-Ing. Architekt Johannes Coenen vom ECF Architekturbüro Esser, Coenen, Forsch & Partner geplant und durchgeführt hat, begann im Mai 2011. Vorab hatten die Bewohner, deren Angehörige und Einrichtungsleiter Peter
Kleinen beschlossen, mit den Bewohnern nicht bzw. nur innerhalb des Hauses umzuziehen. Die Bewohner, die von den Maßnahmen unmittelbar betroffen waren, zogen daher während des Umbaus auf einen anderen Wohnbereich. Das Papst-Johannes-Stift war während der Bauarbeiten immer voll belegt.

Insgesamt waren zehn kleinschrittige Bauabschnitte notwendig, um das Altenzentrum grundlegend zu modernisieren. Über sechs Millionen Euro wurden dafür investiert.

Im Zuge des Umbaus entstand unter anderem im Erdgeschoss der Einrichtung ein neuer Wohnbereich, der speziell für Menschen mit Demenz ausgerichtet ist. 14 Bewohnerinnen und Bewohnern bietet diese Wohngruppe nun einen beschützenden Rahmen.

Auch im Außenbereich erfolgten augenfällige Veränderungen. Vor dem Umbau war das Papst-Johannes-Stift über eine lange, recht steile Rampe zu erreichen. Diese wurde vergangenes Jahr komplett abgebrochen. Der neue Zugang zum Haus steigt jetzt deutlich sanfter an und bietet eine fast ebene Fläche. Mit einem Durchbruch in der Fassade entstand außerdem ein neuer Haupteingang.

Nach viereinhalb Jahren mit den üblichen Begleiterscheinungen eines Umbaus wie Lärm und Staub sind nun alle Beteiligten sehr froh, dass alle Maßnahmen abschlossen sind und das Haus mit seiner 40-jährigen Tradition gut gewappnet für die Zukunft ist.

Zwischen Tradition und Herausforderung

Interview zum Thema 90 Jahre Caritasverband Aachen Stadt und Land, 16. Mai 2015, von Rauke Xenia Bornefeld, Zeitungsverlag Aachen

Aachen. Vor 90 Jahren wurde derCaritasverband Aachen Stadt und Land gegründet - mit einer Trinkerfürsorge, einer Armenspeisungund einer Unterkunft für Wanderarbeiter. Die Namen haben sich geändert, die gesellschaftliche Verantwortung ist geblieben. Wohnungslosenhilfe, Suchthilfe, Pflege von Alten und Kranken, dazu die Themen Familie, Migration und Ehrenamt finden sich heute unterdem Dach der städteregionsweit agierenden Caritas. Ein roter Faden,der den Motor der Veränderungnicht einschnürt. So sehen es die beiden Vorstände Ralf Kaup und Bernhard Verholen: "Getreu unserem Motto 'Not sehen undhandeln' wollen wir nicht nurLobbyarbeit betreiben, sondernauch selbst die Ärmel hochkrempeln."

Wie viel hat die heutige Caritas mitder von vor 90 Jahren zu tun?
Verholen: Eine ganze Menge. Es gibt Verbindungslinien, die bis heute wirken. Das spiegelt sich in einigen Arbeitsfeldern wider, die vor 90 Jahren initiativ waren: die Armenfürsorge, die Errichtung einer Wanderarbeiterstelle, die so genannte Trinkerfürsorge. Die heutigen Enkeleinrichtungen sind zum Beispiel Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe wie das Don-Bosco-Haus und das Café Plattform in Aachen oder das Haus Impuls in Alsdorf für Menschen, die sonst auf der Straße leben müssten. Der Fachbereich Suchthilfe ist ebenfalls ein großer Arbeitsbereich. Strukturell ist die enge Verzahnung mit dem Ehrenamt zu nennen- in Kirchengemeinden ebenso wie in den angeschlossenen Diensten. Bis heute versammeln sich unter dem Dach der Caritas viele katholische, soziale Initiativen wie die in der Armenfürsorge tätigen Orden, die Verbände SkF und SKM, InVia, die Malteser, Selbsthilfegruppen - das war Ende des 19. Jahrhunderts ein wichtigerGründungsanlass für die Caritas bundesweit.

Caritas bedeutet "tätige Nächstenliebe".Wie geht das mit dem professionellenUnternehmen Caritas zusammen?
Kaup: Am Beispiel Pflege wird es vielleicht am augenfälligsten: Aus unserem Verständnis der Arbeit heraus unterscheiden wir uns meiner Meinung nach von anderen Anbietern auf dem Markt. Wir lassen mal Fünfe gerade sein, stellen ökonomische Interessen nicht in den Mittelpunkt. Es gibt Pflegebedürftige, die aus betriebswirtschaftlicher Sicht weniger profitabel sind als andere. Einen auf einem Bauernhof in Sief wohnenden Kunden nehmen wir aber genauso gern an wie einen aus der Innenstadt, der leicht zu erreichen ist. Wir treten nicht an, um Gewinne zu maximieren. Am Ende muss aber mindestens eine schwarze Null stehen, damit wir als Betrieb überleben können. Das ist unser täglicher Spagat. Und der wird zunehmend schwieriger.
Verholen: An der Einbindung des Ehrenamtes lässt sich das ebenfalls verdeutlichen. Bürgerschaftliches Engagement und professionelle Tätigkeit sehen wir in vielen Bereichen als wechselseitige Ergänzung: Zum Beispiel in der Flüchtlingshilfe, in der sich sehr viele Menschen engagieren, die aber angesichts der schwierigen rechtlichenMaterie an ihre Grenzen stoßen. Ihnen stehen wir mit gut ausgebildeten Fachkräften zur Seite. Andersherum können Ehrenamtliche wichtige Aufgaben übernehmen,für die die Hauptberuflichen keineZeit mehr finden.

Wie viel Professionalität braucht Ehrenamt?
Verholen: Das kommt sicher aufdas Arbeitsfeld an. In stationären Einrichtungen der Pflege oder der Eingliederungshilfe wie dem Café Plattform ist die Einbindung von Ehrenamtlichen in ein hauptberuflichagierendes Team unspektakulär möglich. Andere Projekte fußen auf Ehrenamt wie "JutE" - Jugendtrifft Erfahrung, ein Mentorenprojekt für Grundschüler. Da ist es unerlässlich, dass eine hauptberufliche Kraft dem Projekt zur Seite steht. Für die Organisation, den Kontakt zu den Schulen, Fortbildungen oder auch im Konfliktfall. Für die ehrenamtlichen Hospizhelfer ist eine dezidierte Schulung als Vorbereitung unerlässlich.
Kaup: Ehrenamt braucht Ansprechpartner, die ihnen Rückhalt geben, sie auch durch unser System lotsen. Und es braucht einen sicheren Rahmen durch Versicherungenund Kostenerstattung.

Ralf Kaup und Bernhard Verholen (rechts), die beiden Vorstände des Caritasverbandes Aachen Stadt und Land. Foto: Andreas Steindl


Stichwort Pflege: Wieviel anteil hat sie amoperativen Geschäft?
Kaup: Die ambulante Pflege macht einen Großteil des Verbandes aus - mit 250 Mitarbeitern personell und auch, was den Umsatz betrifft. Das sind über 50 Prozent.

Wie viel Geld können sie noch damit verdienen?
Kaup: Wir haben sehr schwierige Jahre hinter uns. 2012 und 2013 waren wirklich katastrophal. Da haben wir Verluste gemacht, die auch das Gesamtergebnis des Verbandes nach unten gezogen haben. Deshalb sind wir im vergangenen Jahr mit anderen Verbänden auf die Straße gegangen, um aufden Missstand der Unterfinanzierungdurch die Krankenkassen aufmerksamzu machen. Wir haben erreicht, dass die Vergütungssätzedeutlich besser angepasst wurden als bisher. Trotzdem waren wir gezwungen,die Organisation weiterzu optimieren. Weil das nicht zu Lasten der Patienten gehen sollte, bedeutet das für unsere Mitarbeiterweitere Überstunden, weitere Arbeitsverdichtung. Diese Bugwelleschieben wir vor uns her.

Gibt es ein Szenario, in dem sich die Caritas aus der Pflege endgültig zurückzieht?
Kaup: Das wäre eine gesellschaftliche Bankrotterklärung. Wenn ein Wohlfahrtsverband wie wir diese Arbeit nicht mehr leisten kann, muss vorher sehr viel schief gelaufen sein. Deshalb sehen wir es auch als unsere Aufgabe, die Politik immer wieder auf Missstände aufmerksam zu machen. Es muss gelingen, Pflege menschenwürdig anzubieten. Denn Pflegebedürftige- Alte, Kranke, Behinderte - stellen auch ein großes gesellschaftliches Potenzial an Erfahrung dar.
Verholen: Kranke zu pflegen, entspricht einem urchristlichen Verständnis. Deshalb sehen wir uns auch seit jeher in der Speerspitzeder Weiterentwicklung. Da nenne ich gern drei Beispiele: Den Aufbau der ehrenamtlichen Hospizdienste, den Aufbau der ambulanten Palliativpflege und, jüngstes Beispiel, die Einbindung der Palliativpflegein stationäre Einrichtungen, die wir gerade in zehn Einrichtungen im Bistum wissenschaftlich begleitet erprobt haben. Wir sind also neben der Grundversorgung immer in der Suchbewegung nach neuen Lücken im sozialen System. Getreu unserem Motto"Not sehen und handeln" wollen wir nicht nur Lobbyarbeit betreiben,sondern auch selbst die Ärmelhoch krempeln.

Abgesehen von der Finanzierung -wo steckt nach Ihrer einschätzung denn die größte Herausforderungin der Pflege in den nächsten fünf Jahren?
Kaup: Ganz sicher im Fachkräftemangel. Die Gesellschaft wird älte rund pflegebedürftiger, aber auch die Mitarbeiter in der Pflege werden älter. Wir haben in einigen Bereichen einen Altersdurchschnitt von 50 Jahren. Da stehen wir in der Verantwortung, dass diese Mitarbeiter auch weiterhin die schwere Pflegearbeit leisten können. Wir bilden außerdem 60 Altenpflegeschüler in unseren stationären Einrichtungen aus. In der ambulanten Pflege ist das schwieriger, weil dort normalerweise die Mitarbeiter allein zu den Kunden unterwegs sind. Trotzdem haben wir auch da fast 20 Ausbildungsplätze. Aber auch das wird wohl nicht reichen.
Verholen: Natürlich betrachten wir auch den Bereich des Ehrenamtes als Ressource, allerdings nicht mitder Erwartungshaltung der Politik.Die dort vorschwebende Intensität kann unserer Meinung nach nicht eingelöst werden.

Die Caritas bewegt sich in vielen Bereichen. Ist das eine Stärke oder eine Schwäche?
Verholen: Zumindest ist es sehr spannend. Es lassen sich schnell und unmittelbar Querverbindungen herstellen. Einige Referate haben ohnehin eine große Nähe. Zum Beispiel Wohnungslosigkeit und Sucht. Aber es gibt auch Themen wie Alter und Sucht, Migration und Wohnungslosigkeit oder Migration und Sucht, bei denen wir ebenso in den Sparten voneinander profitieren können. Die Verschränkungen sind sehr bereichernd. Die Steuerung ist allerdings eine Herausforderung, weil die Systeme sehr unterschiedlich funktionieren.

Und wie steuern sie das?
Verholen: In der Tat geht das nicht von selbst. Wir müssen den Mitarbeitern immer wieder bewusst machen, welche Dienste unter dem Dach der Caritas zu finden sind. Deshalb arbeiten wir an internen Hospitationsmöglichkeiten.
Kaup: Im Bereich der Pflege ist das noch stärker organisiert. Wir können leicht Lösungen aus einer Hand anbieten. Aber vieles läuft über den persönlichen Kontakt. Es ist unser Job, diese Kontakte herzustellen.

Noch zehn Jahre bis zum 100. Geburtstag. Was wollen sie bis dahin erreichen?
Verholen: Unser Verband lebt stark vom bürgerschaftlichen Engagement. Diese tragende Säule zu erhaltenund zu stärken, wird uns weiter beschäftigen. Wir werden genau hinschauen müssen, wie wir die nachwachsende Generation als Unterstützer für uns gewinnen. Berührungspunkte herzustellen zwischen Wirtschaft und Sozialkultur, ist eine sehr konkrete Aufgabe, mit der wir mit dem Caritas-Unternehmensservice angefangen haben. Dort gehen wir bewusst auf Unternehmen und damit auf die Arbeitswelt der Menschen zu, bieten Unterstützung mit unseren Instrumenten der sozialen Arbeit an. Wir sind erstaunt,dass wir inzwischen weit mehr als 8000 Arbeitnehmer in der Städteregion damit erreichen. Wir wollen nicht sitzen bleiben, sondern Menschen in Bewegung setzen. Wir wollen Motor sein in der sozialenInfrastruktur.

Daniela Jansen stellt sich den Fragen der Caritas zum neuen Alten- und Pfegegesetz

Führten ein intensives Gespräch: Jeannette Curth, Pflegedienstleiterin Haus Hörn, Dr. Andreas Wittrahm vom Diözesan-Caritasverband Aachen, MdL Daniela Jansen, Manfred Vieweg, Geschäftsführer Haus Hörn, Rudolf Stellmach, Caritasverband Düren-Jülich, Ralf Kaup, Geschäftsführer Aachener Caritasdienste, und Yvonne Kersgnes, Einrichtungsleiterin Klosterstift Radermecher. Foto: Verena Richter

Ließe sich Besorgnis in gedrucktem Papier messen, es bestünde kein Zweifel daran, wie sehr das neue geplante Pflegerecht der NRW-Landesregierung (GEPA) Wohlfahrtsverbände in Unruhe versetzt. So groß und doppelt so dick wie ein Telefonbuch war die Sammlung von Stellungnahmen von Verbänden und Gewerkschaften, die Daniela Jansen im Gespräch mit Vertretern des Aachener und Dürener Caritasverbandes sowie des Aachener Haus Hörn vor sich ausbreitete. Die NRW-Landtagsabgeordnete war deren Einladung gefolgt, damit in einem persönlichen Gespräch nochmals die besonders strittigen Punkte diskutiert werden konnten. Weitere Gespräche mit Abgeordneten und Politikern werden noch folgen. 

Das neue Gesetz will unter anderem quartiersnahe, alternative Wohn- und Pflegeformen in den Vordergrund stellen, pflegenden Angehörigen stärker helfen und Unterstützungsangebote befördern. Punkte, die die Caritas grundsätzlich gerne befürwortet, doch so wie die Landesregierung das neue Gesetz plane, ginge es eindeutig zu Lasten der stationären Einrichtungen, stellte Manfred Vieweg, Geschäftsführer von Haus Hörn fest. „Die DVO (Durchführungsverordnung) ist sehr gegen stationäre Einrichtungen gerichtet und die Argumente, warum das Gesetz so geplant wird, würde ich gerne verstehen“, sagte Manfred Vieweg. Das neue Gesetz regelt unter anderem die Platzzahl in Altenheimen und greift massiv in die Finanzierungs- und Investitionsmöglichkeiten der Einrichtungen ein. Die Sorge der Wohlfahrtspflege ist, dass vielen stationären Einrichtungen in Folge dieser Änderungen über kurz oder lang die Insolvenz drohe und massive Versorgungslücken entstehen.

Ralf Kaup, Geschäftsführer der Aachener Caritasdienste, zu denen vier Altenheime gehören, gab zu bedenken, dass bei einer immer älter werdenden Bevölkerung die Zahl der Pflegebedürftigen ebenfalls stetig zunehme und dass diese Menschen nicht allein durch alternative Pflegeformen versorgt werden könnten – insbesondere viele dementiell erkrankte Pflegebedürftige. „Wir sind doch im Quartier, warum nimmt man uns denn nicht mit ins Boot?“, stellte Ralf Kaup eine wichtige Frage, mit der noch einmal auf die Sorge hingewiesen wurde, dass die Landesregierung weg von den stationären Pflegeeinrichtungen wolle. Der Trend Altenheime im Reigen der pflegerischen Angebote einen deutlich geringeren Stellenwert beizumessen als bislang sei augenfällig und ließe sich an vielen Punkten der DVO aber auch schon im Koalitionsvertrag der Landesregierung ausmachen.  
Im Detail macht dem Caritasverband zu schaffen, dass bei Neubauten oder Neuanschaffungen eine Abschreibungsdauer von 50 Jahren angesetzt wird. Ein unrealistisch  langer Zeitraum, wie Rudolf Stellmach vom Caritasverband Düren-Jülich bemerkte: „Nach 25 bis 30 Jahren sind die Häuser abgewohnt und keine Bank finanziert über 50 Jahre.“

Auch greift die Verordnung massiv in die Bestandsfinanzierung und Bewirtschaftung der bestehenden Altenheime ein. „Die Landesregierung scheint zu glauben, dass stationäre Einrichtungen immense Überschüsse realisieren, die sie nicht wieder reinvestieren“, sagte Manfred Vieweg, was Ralf Kaup noch weiter ausführte: „Die gemeinnützigen Einrichtungen schütten keine Gewinne aus. Wenn etwas angespart wurde, fließt es immer wieder in die Einrichtung.“ Dies sei aber zukünftig nicht mehr möglich. Die NRW-Landesregierung beruft sich ein Urteil des Bundessozialgerichts aus dem Jahr 2011. Hiernach seien Pauschalisierungen, wie bislang üblich, nicht statthaft. Obwohl andere Bundesländer das Urteil des BSG ganz anders umsetzen, wie Manfred Vieweg feststellte. 
Als äußerst problematisch wird auch der Punkt gesehen, dass in Zukunft den Kommunen stärkerer Einflussnahme möglich sein soll, was im Rahmen von Bestandsschutz und Modernisierung umsetzbar ist. „Aufgrund der unterschiedlichen finanziellen Lage der Kommunen werden diese Entscheidungen sicherlich unterschiedlich ausfallen, je nachdem ob man etwa in Gelsenkirchen oder Düsseldorf wohnt“, warnte Professor Dr. Andreas Wittrahm vom Diözesan-Caritasverband Aachen vor ungleichen Lebensverhältnissen älterer Menschen im Altenheim. 

Daniela Jansen, die sich in der jüngeren Vergangenheit verstärkt mit dem neuem Gesetz auseinander gesetzt hat, erläuterte an einigen Punkten die Sichtweise des Ministeriums, erklärte aber, dass sie sich die strittigen Punkte noch einmal genau ansehen wolle und diese mit den Mitgliedern ihrer Fraktion besprechen werde. 
 

 

Ambulanter Hospizdienst der Aachener Caritasdienste erhält den Ehrenamtspreis der Stadt Aachen

Freuten sich über die Auszeichnung: Die ehrenamtlichen Helfer des ambulanten Hospizdienstes der ACD
Die Urkunke und Medaille der Stadt Aachen

Im Rahmen des diesjährigen Neujahrsempfangs der Stadt Aachen hat Oberbürgermeister Marcel Philipp den ambulanten Hospizdienst der Aachener Caritasdienste (ACD) Aachen Stadt mit dem Ehrenamtspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet. Im Krönungssaal des Rathauses nahm am Mittwochabend Koordinatorin Annette Busch die Auszeichnung stellvertretend für 23 ehrenamtliche Helfer in Empfang.

„Wir alle sterben irgendwann, doch darüber wird nicht gesprochen“, sagte der Oberbürgermeister. Doch gerade im Falle einer schweren, unheilbaren Krankheit sei natürlich Redebedarf bei den Betroffenen und ihren Angehörigen da. Es gebe viele Fragen und Sorgen und diese Lücke füllen die ehrenamtlichen Helfer des ambulanten Hospizdienstes der ACD. „Man spricht allgemein von Sterbebegleitung, besser wäre, man würde Lebensbegleitung sagen“, so Marcel Philipp.
Der ambulante Hospizdienst der ACD besteht im Februar seit acht Jahren und begleitet seitdem Schwerkranke, Sterbende und Trauernde. Eine anspruchsvolle und intensive Tätigkeit, die für viele Frauen und Männer in einer verzweifelten Situation ein wahrer Segen ist. Zahlreiche Menschen, die von unheilbaren, schweren Krankheiten als Patient oder Angehöriger unmittelbar betroffen sind, nehmen die Hilfe des ambulanten Hospizdienstes der ACD in Anspruch.
Ein bis zweimal pro Woche, bei Bedarf auch öfter, besuchen die Ehrenamtler, die alle extra geschult sind, die Betroffenen zu Hause. Dabei stehen die Wünsche und Bedürfnisse der Betroffenen immer im Fokus. Das betonte auch der Bürgermeister in seiner Ansprache. Es sei unglaublich wichtig für die Betroffenen, „dass es Menschen gibt, die sagen: ‚Ich habe jetzt Zeit für Sie.‘.“

Die Ehrenamtler kommen, um zuzuhören, um Ängste zu nehmen, um Fragen zu beantworten, einfach um da zu sein Doch es gibt nicht nur traurige Momente bei den Begleitungen. „Manchmal wird geweint, aber es wird auch viel gelacht. Es gibt nicht nur Schwere, es werden auch gute Dinge besprochen“, sagt Annette Busch, die weiterhin erklärt, dass die Ehrenamtler außerdem eine wichtige Unterstützung und Entlastung für die Angehörigen seien, die auch einen Weg finden müssten, mit der Situation umzugehen.
Auch hier helfen die Ehrenamtler, sie ermöglichen den Angehörigen kleine Auszeiten und begleiten sie nach dem Tod des geliebten Menschen. Der ambulante Hospizdienst der ACD bietet nämlich auch eine Trauerbegleitung als Einzelbegleitung oder im Gesprächskreis an.
Für die ehrenamtlichen Helfer, die bald Unterstützung von neun weiteren Freiwilligen erhalten, gibt es regelmäßig Reflektionsabende, an denen sie über ihre Erlebnisse reden können, sich austauschen und sich gegenseitig stützen. „Auch dabei wird nicht nur über Schweres gesprochen, sondern auch über heitere Dinge“, erklärt Annette Busch.